GABRIELA BEREST
GABRIELA BEREST

über Gabriela Berest

Isabel Bilbao, Galeristin, Javea (Alicante) und Berlin

 

Ich kenne Gabriela Berest seit 19996, als sie meine Galerie betrat und wir begannen, uns über Kunst und weltweite Geschehnisse zu unterhalten. Es war mir sofort klar, dass sie niemals etwas malerisch oder plastisch umsetzen würde, was nicht dem heutigen Zeitgeist entspräche.

 

Gabriela sucht stets nach neuen Ausdrucksformen, sei es im Bereich der Malerei, der Fotografie oder der Installationskunst. Es ist ihr wichtig, dass alle in ihren Werken verwendeten Elemente einen plastischen, ästhetischen Eindruck vermitteln, dass diese den Betrachter direkt und unmittelbar ansprechen und ihn im Inneren berühren. Aber all dieses Streben hätte keinen Wert, wenn nicht die Absicht dahinter stünde, sich intensiv mit einer Realität zu beschäftigen, die bisweilen rau und brutal sein kann, wie zum Beispiel Kriege, die Erdölkrise, die Verrücktheit unserer Zeit, dargestellt im Fall und in der Zerstörung des Turms zu Babel. Themen, die sie schon früher behandelt hat und die den Betrachter beeindruckt haben durch die gelungene Verbindung von Kunst und Thematik.

 

Hans Renggli TAGESANZEIGER, Zürich Kultur 06. April 91

Oelhähne wurden zu Gewehren Bilder vom Krieg (VII):

 

Schließlich gilt heute das fotografische Bild für so kunstfähig wie das gemalte. Außerdem gibt es eine bemerkenswerte Tradition schweizerischer Reportagefotografie. Vom Golfkrieg gibt es aber keine Bilder von Schweizer Fotografen. Der Zugang zur Front war ihnen als Neutralen verwehrt. Das Fotografieren der harten Kriegsbilder blieb einigen Amerikanern und Briten vorbehalten, die in so genannten Pools von den alliierten Kommandos an vorausbestimmte Schauplätze geführt wurden. Es gibt keine frei gemachten Bilder vom Golfkrieg. Zwar gab es unabhängige Schweizer Fotografen im Krisengebiet, in Amman, Bagdad und in den Flüchtlingslagern, doch das entsprechende Bild zur politischen Situation habe ich von Ihnen nicht gefunden. Schon wollte ich deshalb auf ein historisches Kriegsfoto zurückgreifen, als ich durch Zufall auf das Bild mit den Bezinhähnen stieß.

 

Vieldeutige Objekte

 

Es ist ein völlig undramatisches Fotodokument. Dennoch ist es enorm sprechend und erfüllt alle wünschenswerte Anforderung: Es beleuchtet kritisch den aktuellen Krieg. Als das Ultimatum abgelaufen war, der Krieg unvermeidlich schien, konnte Gabriela Berest nicht mehr stillhalten und schritt am 16. Januar zur Aktion:

Sie reihte vor dem Züricher Kunsthaus 120 Benzinhähne zu einer strammen militärischen Formation.

Die Hähne lesen vieldeutige Werkzeuge, als Gewehr, Schwengel oder Spritzen. Unmissverständlich ist die männliche Charakteristik der Objekte, der Zweck ihrer besonderen Form als symbolische Verlängerung männlichen Macht- und Potenzgebarens. Als Ölhähne vergegenständlichen sie das wirtschaftspolitische Motiv der Kriegsführenden, während der phallische Aspekt die den Konflikt zugrunde liegender Psychologie.

 

Dr. Claudia Schaefer, Galeristin Cubus-Kunsthalle, Duisburg

 

Der Verweis auf ihre Thematik "Industrie, Ruhrgebiet" durch das verarbeitete Material sollte genügen. Dass die neuen Arbeiten von Gabriela Berest im Foyer des Chemieunternehmens Sachtleben ausgestellt sind, bringt einen weiteren "Quellennachweis". So die Künstlerin mit der Faszination einer zurückgekehrten, wen nimmt`s da Wunder, dass ich mich von der Schlackenhalde habe  inspirieren lassen, dem Caput-Mortuum dieses Berges, der einigen Bürgern zwar ein Dorn im Auge sein mag, mir jedoch auch gleichzeitig Anstoß zu einer neuen Arbeit gab. Eines Tages besuchte ich Sachtleben und verließ Homberg wieder mit mehreren Plastikbeuteln, gefüllt mit roter und schwarzer Schlacke (dem Abbrand der Sachtleben Schwefelsäure Fabrik). Diese für mich kostbare Fracht - gewissermaßen ein Stück Heimat - nahm ich mit mir in die Schweiz."

 

Die Ausstellung "Rückkehr" verdeutlich u. a. auch, dass Industrie losgelöst von allen Wertungen und Bedenken, die in Richtung Umweltverschmutzung und Gesundheitsschädigung gehen mögen, eine eigene Ästhetik in sich birgt, die sich an keinem Ort faszinierender darstellt, als im Ruhrgebiet. Die wertfreie Ästhetik ist für jemanden, der von außerhalb kommt, eindringlicher, als für den, der ständig in ihr lebt, vielleicht auch unter ihr leiden mag. Es gibt viele Gesichter des Ruhrgebiets. Eines, männlich das der Faszination, wird durch die Arbeiten von Gabriela Berest dokumentiert.

 

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